Die nachfolgenden Gedanken, Gedichte und Aphorismen sind in verschiedensten Lebensphasen entstanden. Einiges ist sozusagen taufrisch, anderes bereits zehn, fünfzehn oder gar zwanzig Jahre alt (oh Mann!). Ich fühle mich mittlerweile völlig außerstande (und auch nicht sonderlich motiviert), durchgängig eine saubere Trennung zwischen alter und neuer Rechtschreibung aufrechtzuerhalten. Möge man es mir nachsehen – alles fließt ineinander.
Was die Gedichte anbetrifft: Es gibt ganz offensichtlich nur eine Inspiration für mich ...
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Jeder Mensch hat drei Gesichter: das reale, das scheinbar reale und das scheinbare.
Das Reale umfasst all das, was man wirklich denkt und fühlt, was nur im Gespräch mit einem selbst gänzlich ungeschminkt zu Tage tritt. Das scheinbar Reale meint den Teil davon, der, vermischt mit Lügen und Halbwahrheiten, nach außen gelangt. Das Scheinbare schließlich sind die Eindrücke, die die anderen Menschen punktuell von einem aufnehmen.
Da das subjektiv Wahrgenommene der Außenstehenden nur einen Bruchteil der insgesamt ausgesandten Informationen erfasst, und diese Informationen wiederum nur einen kleinen Teil des wirklich Gedachten und Gefühlten darstellen, ist das Bild, das andere Menschen von einem haben, nichts weiter als ein aus Splittern zusammengesetzter Scherbenhaufen.
Der mitunter fatale Irrglaube besteht letztlich darin, anzunehmen, man könne von der Beschaffenheit der Fragmente auf Form und Inhalt des Ganzen schließen. Wir sehen wenig und wissen nichts. Wir bleiben was wir sind: Fremde unter Fremden.
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(Am absoluten Nullpunkt)
Der finale Wunsch
Jemand müsste sagen:
Ich werde da sein – egal, was geschieht
Und er würde da sein
Und es wäre egal, was geschieht
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(Gegenwart)
Sprachlos
Wie wenig wir von unsren Welten wissen
Und trotzdem liegst Du neben mir
Ganz sanft bedeckt Dein Haar das Kissen
Auf dem ich, findend, mich verlier
Hat eine Hand mich jemals so gehalten?
Als ob sie, kosend, meine Seele spürt
Was in Dir wogt will ich entfalten
Was mich umschließt und, tosend, tief berührt
Wie sollt ein Wort mich mehr bewegen
Da jeder Blick wie eine Feder kreist
Kein Satz kann klarer je belegen
Was Du küssend, fühlend, schweigend weißt
Für Fons
Sei Du mein Heimatland
Mein Unterstand am Wolkenrand
Mein Jetztzeitband
Mein Flächenbrand
Du Bilderwand
Du allerfeinster Uhrensand
Sei Du mein Atemzug
Mein Wellenpflug am Plankenbug
Mein Niegenug
Mein Ernstunfug
Du Segelflug
Du bodenloser Schöpfungskrug
Sei Du mein Gleichgewicht
Mein Gramverzicht als Tagtraumpflicht
Mein Bernsteinleuchtturmlicht
Mein Leibgericht
Du Spiegelschicht
Du sternenklare Weltensicht
Sei Du mein Himmelreich
Mein Badeteich am Windschutzdeich
Mein Kommegleich
Mein Wüstenscheich
Du Klingelstreich
Du abendliches Daunenweich
Sei Du mein Widerhall
Mein Bergkristall im Wasserschwall
Mein Friedenswall
Mein Sündenfall
Du Bimetall
Du ewigneuer Ursprungsknall
Sei Du mein Anfangsende
Mein Kriechgelände für die Streichelhände
Meine Sonnenblende
Meine Brusthalslende
Du Herzlegende
Du frühlingsmilde Winterwende
Sei Du mein Bindestrich
Mein Trautesich im Plüschteppich
Mein Ewiglich
Mein Bienenstich
Du Güterich
Ich liebe dich
Tausend zu eins
Könnte ich Dich eintauschen
Gegen Gold und Edelsteine
Und alle Kamele dieser Welt
Oder gar ein anderes Blau
Es wäre immer ein schlechter Tausch
Weil keine Verheißung jemals hält, was sie verspricht
So sehr sie auch funkelt und glitzert und glänzt
Und letztlich doch nur jäh zerplatzt
Und ölig durch meine Finger rinnt
Bis nichts mehr bleibt
Und ich nichts mehr halten kann
Dort, wo Du für mich da bist
Unerschütterlich
Wo selbst der schlimmste aller Tage
Niemals vollkommen schwarz sein kann
Weil Du nicht nur Fremdes reflektierst
Sondern selber strahlst
Und mir den Weg weist
Wie Licht
Wie eine Sonne, die nur an meinem Himmel existiert
Die ich liebe
Und die nur für mich scheint
Für einen Euro
Als ich den Hund streichelte
Und ein Danke aus offener Hand erhielt
Und einen schönen Tag mit auf den Weg bekam
Da musste ich weinen vor Glück
Weil ich so voller Wärme war von Dir
Dass mich der kalte Wind
Der mir draußen wie ein Eissturm entgegentoste
Nicht erreichen konnte
Weil ich sitze und schreibe
Weil ich wieder bei mir bin
Und lebe
Weil es Dich gibt
Flügel
Als ich tot war und keine Hoffnung mehr hatte
Und zerberstend auf dem Boden lag
Direkt neben der Couch
In der Ecke vor dem Fenster
Im größten Wohnzimmer dieser Welt
Da muss mir jemand zugesehen haben
Jemand, an den ich nicht glaube
Den es nicht gibt
Und mit seinem nicht existierenden Stift
Schrieb er alles auf
Das, was ich ersehnte in meiner Not
Den tiefsten Wunsch im fernsten Land
So irreal, dass ich nicht mal dran zu denken wagte
Feinsäuberlich notierte er jedes Komma
Jeden Doppelpunkt
Und all die Ausrufezeichen
Dann ging er wieder, auf seinen leisen Sohlen
Ohne sich zu zeigen oder etwas zu sagen
Nahm es mit und begab sich auf die Suche
Als ich tot war und mit gar nichts rechnete
Da tauchte er plötzlich wieder auf aus seinem Schatten
Nach all der Zeit und tausend Leiden
Und trat auf die Veranda
Und führte Dich zu mir an den Tisch
Die Sonne brannte so hell an diesem Tag
Dass ich ihn nicht gewahrte
Und auch Dich nicht gleich erkannte
Nur Deine Stimme hörte ich
Die mich berührte und bewegte
In diesem grellen Gegenlicht
Und lange in mir nachklang
Als ich tot war und ins Stutzen kam
Da schicktest Du mir jene Mail
Und kamst mir knapp damit zuvor
Und dann geschah es
Und nun schläfst Du neben mir
Begleitest mich
Und wiegst mich sanft in Deinem Arm
Mehr, als ich je zu bitten wagte
Mehr, als man erträumen darf
Alles, was ich will
Danke, Clarence
Du hast sie Dir verdient
Ließest mich sterben – um zu leben
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(Dreizehn Erinnerungen an K., 2005)
Nachtgedanken
Zu müde, um wach zu sein
Zu wach, um zu schlafen
Weil jeder Gedanke mit Dir anfängt
Und bei Dir endet
So wie alles aufhört
Und beginnt
Durch Dich
Jetzt
Und endlich
Und immer wieder
Weil es keinen Zufall gibt
Der dies Schicksal verwebt
Nur Schicksal, das kein Zufall ist
Woher?
Hat man Dich erfunden?
Hat man Dich erdacht?
Bist Du einem Traum entschwunden?
Oder gar aus Traum gemacht?
Schwebst heran, wo alles flieht
Und fällst auf mich wie warmes Licht
Das man nur im Winkel sieht
Wenn es bunt den Bogen bricht
Was all mein Sehnen je begehrt
Was vage nur und hoffend war
Von nun an immer wiederkehrt
Im wunderschönsten Augenpaar
Ich schau Dich an und bange noch
Denn was wie ein Wunder vor mir stand
Das fass ich nicht – und halte doch
Die ganze Welt an meiner Hand
Findung
Mit Hingabe zerfalle ich jede Nacht
Klaglos
Und dankbar
Auf dass mein Ruinengesicht
Mit jedem Krater
Wie ein Schlachtfeld
Das ruhig aus tausendfachem Bersten steigt
Allezeit das Nämliche bezeugt:
Meinen Weg zu Dir!
Bis Du weißt
Woher ich komme
Aus dem Feuer!
Und wohin ich geh
Ins Licht!
Jeden Morgen
Damit es endlich gut wird
Und Sinn macht
Und Frieden einkehrt
Und ich mich finden kann
Hinter der Front
Ganz dicht neben mir
Dies eine nur
Was fehlt denn noch am Ende
Als Strich und Punkt zum ganzen Glück?
Auf Kuss folgt Kuss in sanfte Hände
Mit Deinem Glanz mein All ich schmück’
Du bist so nah, als brennt’ ich fest
In meine Haut Dich glühend ein
Das Blut mich kaum noch atmen lässt
So pulst es mir durch Mark und Bein
Zu finden und zu nähren mich – zu spür’n
Wie Ernst und Leichtsinn Gleiches tun
Am Rand der Zeit das Licht berühr’n
Und selig an der Schulter ruh’n
Kann der Asche nur bei Dir entsteigen
Die Zukunft nur in Deinen Augen seh’n
Sind Bäume, die sich eng verzweigen
Und sich haltend beieinander steh´n
Wohl wissend, dass Du End’ und Anfang bist
Dass nur mit Dir mein Kreis sich schließt
Doch ahnt der Bach, was er vermisst
Solang es kühlend durch ihn fließt?
So muss ein Letztes noch geschehen
Das Wasser wird dem Fluss genommen
Muss schmerzend in die Ferne gehen
Und rauschend wiederkommen
Bernstein in Silber (Reisegeschenk)
Tag für Tag aus vielen Gliedern
Mein Leben sich zur Kette schmiegt
Und wie ein Schlag von zarten Lidern
Ein Kuss auf Deinen Schultern liegt
Wie Stück für Stück das nächste fängt
Hat Hand für Hand die Hand gefunden
Mein Schicksal ist an Deines angehängt
Und meine Welt an Deine angebunden
Wie ich Hermann Hesse in Buenos Aires traf
Im Nebel zu landen
Durch Nebel zu gehen
Von Nebel umstanden
Nur Nebel zu sehen
Das Ende der Welt
So fröstelnd zu spüren
Keine Hand, die mich hält
Und auch kein Berühren
Nicht glauben, nicht fassen
Nicht wollen, nicht sein
Verloren im nassen
Im traurigsten Schein
Wie bist Du entschwunden?
Warst fern mir so nah
So plötzlich entbunden
Nur Nebel ist da
Vorbehaltlos
Ein Stein ist ein Stein
Ob er nun im Grase liegt
Oder am Wegesrand
Oder wortlos im Flussbett schlingert
Muss er je glänzen
Oder klickern
Oder wollen
Um das Selbe zu sein?!
Im Ruhen und Rollen:
Ein Stein ist ein Stein
Vor der Zeit
Liebt man am Anderen nicht immer auch das Geliebtwerden
Und küsst den Kuss
Und hält den Griff
Und streichelt sich hinein?!
Wie Sommerwind und Segelschiff:
Durchgleiten und umfangen sein
So will ich nie vergessen
Dass das, was folgt
Gleichzeitig Ursache und Wirkung ist
Ein sich selbst begründendes Paradoxon
Das deshalb nicht fällt
Weil es von dem gestützt wird
Was es trägt
Um endlich zu begreifen
Dass der erste Schritt, auf den man wartet
Immer nur der zweite ist
Falschschreibung
Am Anfang war noch alles leicht
Mit einem Kuss das Glück erreicht
Am Anfang hatt’ ich einfach Spiel
Aus meinem Mund das Rechte fiel
Ich schaut’ Dich an und wusst’ genau
Dass Blick und Hand Dein Herz berührt
Ich war Mann und Du warst Frau
Wie simpel Eins zum Andern führt
Nun sitz’ ich hier und marter’ mich
Denn jeder Satz klingt jämmerlich
Was mach’ ich, sag’ ich, stell’ ich an
Ich nicht mahl richtig schreiben kann
Im schwarzen Loch
Dieses kalte, stumme, tiefe Grauen
Das wie ein Sog das Licht verschlingt
Wer ahnt es je, wer kann’s beschauen?
Als ob man in sich selbst versinkt
Ein jähes Sein im dunklen Nichts
Die Augen blind, die Sinne leer
Es nimmt die Luft, das Herz zerbricht’s
Nur noch Schmerz, kein Leben mehr
Die Welt ist außer Kraft gesetzt
Die Zeit zerdrückt im engsten Raum
Und alle Träume weggefetzt
Wir beide nur noch Quantenschaum?
Vertraue
Was wütet in mir so still
Dass ich’s nicht benennen kann?
Wie ein Schatten im Dunklen
Dem ich nie entfliehe
Der immer schon da ist
Wohin ich auch gehe
Und der stets noch ein Weilchen bleibt
In dieser stärksten
Nur von außen durchlässigen Membran
Die mich zurückwirft
Auf mich
Durch die bloß vereinzelt ein Tropfen dringt
Und ganz selten eine Hand
Womöglich nur einmal wirklich
Fünf Finger voller Liebe
Die ich ergreifen müsste
Vier
In diesem schnellsten Leben
Drei
Das wenige echte Chancen bietet
Zwei
Und nichts zurückbringt
Eins
Oder verspricht
Der Knöchel
Bevor ich mich für immer verliere
Die Kuppe
Wenn ich nur könnte
Der Nagel
Jetzt!
Istzeit
Nun ist nicht mehr
Was nie war
Denn Du bist nicht mehr
Was ich sah
Es ist, wie es ist
Du bist, was Du bist
Und es bleibt, wie es war
Wir beide kein Paar
Und ich frage mich, was schlimmer ist
Dass dies Nichts mein Herz anfrisst
Oder dass es Dich vermisst?
Es bleibt dabei
Noch immer hast Du Macht über mich
Und ich will es nicht leugnen
Oder mich wehren
So wie sich die Erde dreht
Und sich wie eine Schraube
In mein Herz bohrt
Wie ich nie verstehen werde
Dass man lieben kann
Und nicht-lieben
Weil lieben ja sagen heißt
Zu allem
Zu jeder Schwäche hinter dem süßesten Lächeln
Dem Taumeln an der Hand
Und dem geöffneten Mund
Der kein Wort verlieren muss, um das Richtige zu sagen
Und der auch dann noch richtig ist, wenn er das Falsche spricht
Denn
Nachdem ich Dich wirklich gesehen habe
Könnte ich bestenfalls das verlassen, was Du nicht bist
Und wenn Dich zu lieben bedeutet
Dass Du gehst und mich von Dir weist
Und nie wieder mit mir reden magst
Dann will ich es hinnehmen
Tausendmal Rilke und Lämmchen und Stöckchen
Weil Du es bist
Und es eben kein zurück gibt
Von Dir
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Zwischen den Zeilen
Könnten wir lesen
Dann stünden in unseren Gesichtern
Die tragischsten Geschichten aus Liebe und Leid
Nicht wie Wind durch Felder geschmeichelt
Sondern wie Regen in Stein gepeitscht
Über Jahre und Jahre hinweg
Und immerfort
Bis der kantige Fels
Zerklüftet und schroff
In Wolken gehüllt der Sonne nachträumt
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(Die existentielle Hölle, 2003 & 2004)
Agonie
Am Anfang war nichts
Und dann schuf Gott die Welt
Die fortan das Flehen in immer neues schickt
Zitternd
Verängstigt
Und allzeit suchend
Milliardenfach
Nach Halt
Und Wärme
Und Sinn
Es zu greifen und sich bis ins Mark erschüttern zu lassen
Einmal nur
Und nur einmal ganz
Da ist diese Leere
Die beständig Deinen Namen flüstert
Bei jedem Schritt
Und mich mit nichts außer mir selbst zurücklässt
Mit weniger als das
Sprachlos und taub
Zwischen nirgendwo und keinmal noch
Die starren Schultern
Die beharrlich widerstehen
Und die müden Augen
Die nichts mehr spiegeln
Beides wie Glas
Ungerahmt und ohne Hintergrund
Verdammt, zu brechen
Und in Splitter zu zerfallen
Auf den Boden
Der Dich trägt
Und immer nur seh ich die Wand
Hinter der Lehne
Und das Vakuum davor
Zwischen den Stäben
Gepolstert und stumm
Tausendfach
In zahllosen Räumen
Der ewig freie Platz
Für immer unbesetzt
Oder falsch
Während sich mein Leben
Woanders
Die Lippen auf die Knöchel stützt
Und mein Lächeln erwidert
Ohne es zu wissen
Wer soll mir je, nach Dir, die Welt ersetzen?
Den Wind
Und das Rauschen des Lichtes
Wenn jeder Sturm nur noch ein Wispern
Und alle Schritte ein stetes Fallen
Immerfort dem Ende zu
Ein Gleichnis
Ein sich schließender Kreis
Weil nimmer wird, was nicht geahnt
Quälend
Und langsam
Und unendlich still
Am Anfang war niemand
Und dann schuf Gott Dich
Dieses eine Mal nur
Und nun wieder Dunkelheit
Und nichts
Und diesmal ganz
Dead man walking
Ein steter Blick der Reue zurück
Auf das, was gut war
Glück und Liebe und Gleichgewicht
Und ein inständiges Warten
Auf das, was niemals kommt
Nicht noch einmal
Unfähig, jetzt und hier zu sein
Leer und traurig bis zum Grund
Erschlagen
Geschunden
Zerfallend
Nach grauenvollen Nächten
Vor grauenvollen Tagen
Zwischen Weinen und Weinen
Es niederzwingend und wegdrückend
Bis es erneut zuschlägt
Erbarmungslos
Weiterschleppend
Durch die Wüste der Tränen
Von Ost nach West
Nur noch Reflex
Ohne Lachen zu können
Oder Freude zu empfinden
Oder Hoffnung zu haben
Wozu noch und wofür?
Nicht sein
Nicht mehr sein
Nichts sein
Es nicht wollen
Es für undenkbar halten
Und es immer wieder betonen
Wohl wissend, was kommt
Wenn kein Wunder geschieht
Zwangsläufig
Weil es aufhören muss
Egal wie
Dieses Sterben, das mal Leben war
Dieser Schmerz nach Schmerz und Schmerz
Immer ist es nur ein Schritt bis zum endgültigen Fallen
Ein einziger nur
Gefährlich nahe am Rand
Näher jedes Mal
Bis man ihn geht
Ohne es zu verstehen
Unerreichbar für den Intellekt
Schreibend
Aus dem Grab
Tot
Endzeitstimmung
Ich weiß, dass ich schon hundertmal müder war
Auch wenn es unfassbar klingt
Und trauriger
Und gewiss auch einsamer
Doch nichtsdestotrotz bin ich es
Immer noch
Und wieder
Und immer wieder
Mögen die zahllosen Kerben bezeugen
Dass dieser Wille nicht leichthin bricht
Ihr könnt es in meinen Augen lesen
Wie oft ich widerstand!
Aber irgendwann macht es einfach keinen Spaß mehr
Fast schon trivial
Und es soll genug sein
Ich habe nicht mehr viele Nächte wie diese
Vielleicht noch zwei oder drei
Die ihren Namen nicht verdienen
Wachkomata
Die mich aushöhlen und taub machen
Und mein Bewusstsein nach innen stülpen
Bis ich nicht mehr ich selbst bin
Mich kaum noch erkenne
Und nicht mehr ertragen mag, was übrig ist und sich dahinschleppt
Durch Tage ohne Licht
Die ich nicht mehr wegstecken kann wie damals
Als ein Unglück unter vielen
Jetzt, da vieles besser ist
Was anfälliger macht!
Wie ein Fronturlaub ohne Aussicht auf Frieden
So bleibt nichts als dieser eine Wunsch
Diese eine Illusion
Dass ich
Wenn es soweit ist
Gehen werde
Bevor ich gehe
In einem letzten Aufflackern von mir
Der finale Wunsch
Jemand müsste sagen:
Ich werde da sein – egal, was geschieht
Und er würde da sein
Und es wäre egal, was geschieht
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(Ein Engel, der plötzlich da war, einfach nur da.)
Für Miri
Wie rasch die Schwere von mir weicht
Da endlich ich nach vorne schau
Und sonnenzart und wolkenleicht
Die lang entbehrten Schlösser bau
Was gestern schnitt, es quält nicht mehr
Es zieht davon und lässt mich steh’n
Von Westen schwebt was Neues her
Das Alte kann von dannen weh’n
Was wieder pulst und freudig klingt
Das ist mein Herz, das ist mein Blut
Ein warmer Strom, der mich durchdringt
Ach Engelchen – Du tust mir gut
Mit Dir die Zeit hinfort zu geben
Mit Dir die Welt gleich doppelt seh’n
Kein Hoffen, Bangen, Werben, Streben
Einfach nur mit Dir im Wind zu geh’n
Kann man mehr als dies je wollen
Ein zarter Hauch nach tiefem Schmerz
Und mögen fern die Donner grollen
Du tust mir gut – mein Schwesterherz
Nichts sagen
In den Pausen wohnt der Zauber
Die wir nicht erst füllen
Und zerreden müssen
In den Pausen wohnt der Zauber
Die wir nicht umhüllen
Und nicht wegküssen
Das Wort, es geht und kommt und geht
Und keine Weil’ wird je mir lang
Als ob er aus sich selbst entsteht
Der Stille schönster Klang
Mit Dir mich schweigend auszutauschen
Und jeder Blick den Blick belohnt
Der Ruhe selig hinzulauschen
In den Pausen wahrer Zauber wohnt
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(Und noch ein Engel)
Like an angel
Was die schönste Kunst in ihren besten Stunden
Dem tiefsten Wunsch als Traumbild hingemalt
War von jeher Deinem Zauber vorempfunden
Der alle Zeit und Welt umstrahlt
Aus goldnem Garn das Herz gewebt
Mit feinstem Stich den Nerv gesetzt
Ein sanfter Schlag die Lider hebt
Die klarste Quell Dein Aug’ benetzt
Den fernsten Mensch als Mensch zu fühlen
Mit ganzer Seel’ in Gottes Sinn
Dem fremden Kind die heiße Stirn zu kühlen
Das treibt Dich um, da strebst Du hin
Hat je ein Mund so rein gesprochen
Nach all der Halbheit, all dem Wahn?
War je ein Eis so warm durchbrochen?
In all dem Zufall doch ein Plan?
Kann mit tausend Sätzen nicht beschreiben
Was ich so unvermittelt in Dir sah
Den hellsten Stern im grausten Treiben
Mit einem Worte: wunderbar
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(Diverse)
Bebe
Ist die Kleine auf dem Bild
Diese Süße mit den Sprossen
Atemlos und wellenwild
Kommt sie tosend angeschossen?
Rauscht sie gern in dichten Bäumen
Kreist ihr Sehnen um die Welt
Lebt sie heut in weiten Räumen
Wird sie ungern zugestellt?
Summt sie noch die alten Lieder
Die der Wind ihr damals sang
Findet sie am Morgen wieder
Was am Tag zuvor verklang?
Ist die Kleine auf dem Bild
Diese Süße mit den Sprossen
Wolkenleicht und frühlingsmild
Kommt sie seidig angeflossen?
Taucht sie gern in wärmste Nähe
Versinkt sie wohl im tiefsten Du
Ahnt sie je, was ich jetzt sehe
Diese Tänzerin im Kinderschuh?
Wie viele Jahre sind vergangen
Seit ihr das Leben endlos war
Kennt sie noch das Mädchenbangen
Wie trägt sie wohl ihr goldnes Haar?
So vieles, das ich gerne wüsste
Und eines nur, das sicher gilt
Es war Dein Wort, das mich umküsste
Du süße Sprosse auf dem Bild!
Roter Lack
Der Ton in meinen Ohren
Ist das Scharren Deiner Ballen auf der Lehne
Während meine Hand Deinen Arm umkost
Dessen Finger meine Lippen öffnen
Damit mein Mund Einlass findet in Dich
Und mit Deinem Blute aufwärts schwimmt
Um in beiden Kammern inne zu halten
Und sie zu küssen
Und angefüllt zu werden mit dem Sauerstoff
Den Du aus meinen Lungen atmest
Und weiterzufließen durch Dein goldenes Mark
Bis hinauf zu Deinen Augen
Durch die ich mich selbst betrachte
Nicht satt werdend von Deinem Anblick
Wie ich niederkniend vor Dir stehe
Und Dir zu Füßen liege
Und das Scharren meiner Ballen auf der Lehne
Zum Ton in Deinen Ohren wird
Purzelbäume
In Dir Dich um mich haben
Dich um mich in mir tragen
Mich auf Dir an Dir in Dich jagen
Und Dich laben
Dich über unter vor mir in mich sehen
Uns von uns gehen kommen lassen
Außer mir Dich innen außen fassen
Und neben Dirmir stehen
Am Du das Dich in mir entzünden
Nach mir das Du im in uns wagen
Morgen gestern heute immer sagen
Und Dein wir ergründen
Abendspaziergang
Wenn ich neben Dir gehe
Spüre ich, dass es ein Morgen gibt
Was gut ist
Und genau das stimmt mich traurig
Weil Dein Haar dann immer noch wie eine Welle Deine Schultern umfließen wird
Und sich das Lampenlicht wie Samt an Deine Wange schmiegt
Nur dass Du nicht zu mir sprechen wirst
Irgendwo in dieser Stadt
Neben irgendwem
Weiter weg als jetzt
Da mir schon dieser eine Meter wie ein ganzes Leben vorkommt
Und ich nicht nur die Zeit nicht halten kann
Die mir wie ehedem durch die Finger rinnt
Mit jedem Schritt
Bis Du am Ende des Weges zum tausendsten Mal auf den Sattel steigst
Und fährst
Und nichts von Dir bei mir bleibt
Außer Du
Und alles, was Du jemals sein kannst
Wie ich Dich beim Italiener sah
Wenn Du von Schwere sprichst
Dann klingt das so leicht
Und wenn Du von Leichtigkeit redest
Dann spürt man den Schmerz
Wie ein Tropfen, der beides ist
Nur niemals zugleich
Träne und Teil des Meeres
Sanftes Rinnen und tosender Sturm
Wie eine Wolke, aus Regen gewebt
Wie ein Schauer, auf dem ein Bogen schwebt
Wie eine Welle, in die man springt
Wie roter Wein, der in dich dringt
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(Für C., Vor der Hölle)
Was ich will?!
Mich auf Dich einlassen
Und in Dich eingelassen werden
Mich auf Dich verlassen
Und nicht verlassen werden
Gelassen sein
Dich anfassen
Nicht loslassen
Um ganz erfasst zu werden
Auf leisen Sohlen
Sanft wie einer Feder Flaum
Umschwebst Du zart mein Leben
Umgarnst mich still und spürbar kaum
Mit Stunden, die mein Herz einweben
Erfüllst mein Sein mit Leichtigkeit
Und nahst mit leisem Schritte
Grad standest Du an meiner Seit’
Schon stehst Du in der Mitte
Ohne Ende
Ein Stückchen Gold in Glut zerflossen
Die heiße Schmelz zur Form gegossen
Der helle Glanz zum Kreis geschlossen
Ein Anfang, der kein Ende findet
Der stetig um dein Blut sich windet
Und fortan mich mit Dir verbindet
Soll nimmer Dir vom Finger weichen
Auf ewig sanft durchs Haar mir streichen
Ein kleiner Ring als stilles Zeichen
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(Latente Folgeerscheinungen)
Die feige Sau
Selbst jetzt, nach all der Zeit
Ist und bleibt meine Hölle immer nur eine Nacht entfernt
Wartend und lauernd
Das Schwein
Mich zu packen, wenn ich schutzlos bin
Und mich nicht wehren kann
Wie eine Muschel ohne Schale
Mich durchzukauen
Und mich am nächsten Morgen wieder auszuspucken
Abgenagt bis auf die Knochen
Dass ich nur noch einen Wunsch verspüre
Mit dem Kopf voran durch eine Scheibe zu rennen
Etwas zu durchbrechen
Oder mich zerschneiden zu lassen
Mit aller Macht
Damit es eine Entsprechung findet
Dieses Unsagbare
Diese unsäglichste Entfremdung
Von dem, was ich hatte,
Wie ich fühlte
Wer ich war
Der Mann ohne Schlaf
So müde aufzustehen
Jeden Tag
Jeden Tag
Dass ich die Stunden wegsprengen möchte
Die Zeit
Den Raum
Und zuletzt mich selbst und mein Spiegelbild
Damit es aufhört
Dieses Nicht-Leben
Dieses Zerfallen
Dieses Zerschlagensein
Und ich mich wieder hinlegen kann
Die Augen zu schließen
Mich zu wälzen
Keine Erholung zu finden
Und zu warten, bis es hell wird
Um aufzustehen
Und die Stunden wegzusprengen
Jeden Tag
In meiner Haut
Oh ihr, die ihr mich anschaut
Und beneidet
Worum eigentlich?
Wie gerne gäbe ich euch ein Stückchen meiner Haut
Damit ihr sie zu Markte tragt
Und euch darin sonnt
Einen Tag lang nur
Und eine dieser Nächte
Zu sehen, wie euch schaudert
Und graut
Wie ihr lauft und rennt
Und nimmer wiederkehrt
Bis ihr versteht und begreift
Was ihr besitzt
Und warum ich euch anschaue
Und darum beneide
Hundejahre
Was machst Du mit mir, Leben?
Du gabst mit diese Hülle
Und gossest meinen Leib
Mich zu baden darin
Und wohlig bei mir zu sein für eine Weile
Wozu???
Um mich zu zerformen nach Deinem Bilde?
Dich zu weiden an mir?
Und mir mit jedem Tag, den Du mir gibst
Deren drei zu nehmen?
Sie herauszubrennen
Oder hineinzuscharten
Ganz wie es Dir beliebt
So schnell, dass mir graust
Vor mir
Und ich mich abwenden möchte
Von uns
Wohlan
Wenn leben leiden heißt
Dann bin ich das Leben
Es zu atmen wie Feuer
Und es trotzig gegen den Wind zu spucken
Zu Widerstehen
Und so lange durch die Scherben zu laufen
Bis eine Spur bleibt
Bis das Zucken zum Takt wird
Der Takt zum Tanz
Und der Tanz zum Weg
Eine Ahnung
Eine Erträglichkeit
Ein Ausharren
Und letztlich wieder mal das Staunen
Dass dieser Schatten solch eine Sonne werfen kann
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Gedanken eines Freundes
Grad frag ich mich, wie’s Dir wohl geht
Was Dich bewegt – aus Deiner Sicht
Ein jedes Leben wankt und dreht
Bloß: von außen sieht man vieles nicht
Wie läuft sich’s wohl mit Deinem Schritt?
Was bangt und schmerzt in Deinem Blut?
Und welche Freuden nimmst Du mit
Wenn träumend nachts Dein Alltag ruht?
Was heißt es wirklich, Du zu sein?
Atmend, fühlend, innerlich
Kennst Deine Welt im Ganzen nur allein
Ich ahn sie halb und denk an Dich
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(Für S., Was waren wir jung)
So weit weg
Es ist so weit weg, das Leben
Wenn wir beide durch die Wolken schweben
Mein Kopf ruht sanft in Deinem Schoß
So treiben wir, mein Engel, schwerelos
Ich spür die Antwort aller Fragen
Wenn im Gleichklang unsre Herzen schlagen
Der Sinn sind wir, wir sind der Zweck
Die Welt so klein und so weit weg
Mein Herz
Hörst Du, wie es schlägt?
Mein Herz
Es schlägt so schnell und schlägt so laut
Spürst Du, wie es lacht?
Mein Herz
Es lacht, seit ich's Dir anvertraut
Mein Blick versinkt in Deinen Augen
Und meine Hand in Deinem Haar
Auf Deinem Mund küss' ich ein Lächeln
So sanft und gut und wunderbar
Hör doch nur, es ruft
Mein Herz
Es singt und pocht und tanzt in mir
Spür doch nur, es lebt
Mein Herz
Mein Herz, ich schenk es Dir
Für immer
Für immer will ich Dich begleiten
Will immer Dir zur Seite stehen
Mit Dir will ich das Glück durchschreiten
Und mit Dir bis zum Ende gehen
Auf ewig soll mein Herz Dir sagen
Halt und wärm und tröste mich
Und immer soll es für dich schlagen
Und immer, immer lieb ich Dich
Und wenn Liebe nicht genug ist?
All die Welten, die uns trennen
Verschmelzen wieder mal im Sog
Mit Haut und Haar muss ich bekennen
Dass keine Kraft je stärker zog
So tief hinein ins Zartgefühl
Mit einem Sprung aus vollem Lauf
Ich tauch herum im nassen Kühl
Als taucht ich niemals wieder auf
Umspült von Dir so wundervoll
Du herrlich heiß und kalter Guss
Wird sein, was sein soll
Oder kommt es, wie es kommen muss?
Halbheit
Verloren
Egal, was ich nicht tue
Welchen Weg ich nicht gehe
Was immer ich verachte
Den Nacken entbehren
Oder beim Komma verweilen
Zerrissene Kammern
Verratener Sinn
Die Sonne im Rücken
Und den Schatten im Blick
So dreh ich mich ständig
Auf ewig geteilt
Du bist jede Träne wert
Sie verschwimmen ineinander
Die Farben
Mehr und mehr
Die Formen zerfließen
Alles zerreißt
Die Welt
Und auch mein Bild von Dir
Es beginnt zu kullern
Dieses Chaos im Blick
Es rinnt hinab
Es strömt davon
Es fällt
Es stürzt
Es trommelt ohne Ende schier
Doch tröpfchenweise nimmt es den Schmerz
Und wäscht ihn hinaus
Erst jetzt spüre ich die Hand
Wie sehr sie mich hält
Und jetzt erst sehe ich
Klarer denn je
Wie sehr ich sie greife
Es tut mir leid
Spürst Du sie?
Die Sonne
Wie sie Dich küsst mir ihren Strahlen
Spürst Du sie?
Ganz leicht
Ganz sanft
Ganz zart
Sie will Dich nicht verbrennen
Und trotzdem weinst Du nun
Vor Schmerz
Und roter Haut
Entzweit
O marmorschöner Engel, Du
Ich träume Deine Flügel mir
O marmorschöner Engel, Du
Auf dass ihr Schlag mein Harren zier'
Der Nacht entrückt in stille Sphären
Wo schweigend ich in Nähe tauch'
Die Nacht gehüllt in mein Begehren
Das ich hoffend in die Ferne hauch
Will nun mein Sehnen endlich betten
Will stürzen es auf morgen zu
Wenn Tage doch bloß Flügel hätten
O marmorschöner Engel, Du
Ein offenes Buch
Ein Hauch von Kummer nur in meinem Blicke
Ein Ansatz kaum von Wehgedanken
Gewahrst Du grad, als wären's Stricke
Die sich um ein Kleinkind ranken
Du kennst die Chiffre meiner Lider
Strich und Punkt und Punkt und Strich
Und sprichst die Sprache meiner Glieder
Und Regung formt zu Worten sich
Sinnestäuschung
Wie kann es sein
Dass Deine Hand in meiner Hand
Die stets auf gleicher Höhe stand
Auf einmal viel zu klein?
Wie kann es gehen
Dass Augenlicht im Augenlicht
Nun nicht mehr grün ins Dunkel bricht
Da wir uns gegenüberstehen?
Wie kann ich es fassen
Dass Du auf einmal nicht mehr Du
Dass plötzlich alle Türen zu
Und Schlösser sich nicht schließen lassen?
Hand in Hand
Hand in Hand gehst Du aus meinem Leben
Und jeder Gleichschritt lässt die Erde beben
So schnell ersetzt, so schnell dahin
Geweint, entwöhnt, und Neubeginn
Aus dem Versteck heraus seh’ ich dich schwinden
Entschieden Deinen Weg Dich finden
Du lächelst fern am Straßenrand
Und gehst dahin in fremder Hand
Im Abteil
Du bist das Ziel nicht dieser Reise
Wenngleich der Zug mich heimwärts führt
Das Fenster wackelt, rattert leise
Und kühl es meine Stirn berührt
Ich seh Dein Bild im Dunkeln hell
Es steht und bleibt und folgt mir treu
Land und Leute wechseln schnell
Es formt die Welt sich ständig neu
Die Nacht von Lichtern jäh durchrissen
Fremdes Leben, fernes Sein
Und alles schwebt im Ungewissen
Diffus im matten Mondenschein
Du bist so fern in diesen Zeiten
Und doch ist Ferne einerlei
Denn schau: die Sterne – sie begleiten
Und alles Nahe rast vorbei
Verbunden
Ich frage Dich, Du Sehnsucht meiner Tage
Spürst Du noch das zarte Band,
Das ich so sorgsam halte, hege, trage?
Reicht es noch von Hand zu Hand?
Du müsstest nur den kleinen Finger heben
Durch tausend Straßen zög’ es mich
Um tausend Ecken würd’ ich schweben
Und ganz fest binden würd’ ich Dich
Ein und alles
Dies eine noch muss ich Dir sagen
Es gab keinen Tag in all den Tagen
In all den Nächten keine Nacht
Da ich nicht voll Lieb an Dich gedacht
Wo immer ich auch ging – gegangen bin
Wie immer es auch schien – und ich nun schein
Bei jedem Schritt warst Du mein Sinn
Wirst stets mein und alles sein
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Es führt kein Weg zurück
Wie viel Schmerz durch diese Augen ging
Wie traurig mein Gesicht zerfloss
O welcher Traum an diesen Lippen hing
Und küssend meine Welt umschloss
Doch alle Chancen längst vergeben
Und mein Himmel grau verhangen
Kein zweites Mal in diesem Leben
Und alles Glück vergangen
Ach könnt ich einmal noch dort stehen
Ich möcht so vieles sagen
Und andre Wege gehen
Und uns auf Händen tragen
Doch jetzt finde ich mich selbst nicht mehr
Und auch von damals keine Spur
Und all mein Dasein wird mir schwer
Ach hätt’ ich, hätt’ ich nur
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Das fremde Ich
Was eines Menschen Herz bewegt
Wem steht es an, zu richten?
Und was bang ein Wunsch umhegt
Wer je, wer, kann es belichten?
Ob Nah und Fern ich still begehre
Ob tosend man im Sturm versinkt
Wer je, wer, erfasst die Leere
Die vieles will und manches zwingt
Sind Knechte nur in starrer Hülle
Zaudernd, zweifelnd, zögerlich
Greifen leichthin nach des Lebens Fülle
Und fallen, leiden jämmerlich
Wenn Tun und Wollen in Freiheit stünden
Dann würd’ die Welt sich anders drehen
Was muss der Wind den Wind begründen
Und wie sollt, wie, ihr ihn verstehen
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Abschied
Ich weiß, es geht zu Ende
Die letzten vier fünf Mal
Die guten alten Wände
Und der abgetanzte Saal
Noch immer kann ich’s spüren
Als ob es damals wär
Es durchschreiten und berühren
Ich liebte es so sehr
Ich weiß, es geht zu Ende
Die letzten zwei drei Mal
Es rinnt mir durch die Hände
Als wär’s ein Wasserstrahl
Noch immer kann ich’s ahnen
O wie lange ist das her
Es wehen schon die Fahnen
Und jeder Gang fällt schwer
Ich weiß, es geht zu Ende
Das allerletzte Mal
Schweigend sprech ich Bände
Und lächle voller Qual
Wie soll ich’s jemals fassen
Was voll war, ist jetzt leer
Was blühte, muss verblassen
Und kommt nun nimmermehr
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Im Augenblick des Tuns gibt es weder eine Freiheit des Könnens noch des Wollens: ein bestimmtes Motiv trifft auf eine bestimmte Prämisse und ruft eine zwangsläufige Reaktion hervor – Ursache und Wirkung sind hier untrennbar und vor allem unbeeinflussbar miteinander verbunden.
Wenn man nun den Zustand eines Menschen als die Summe aller vorangegangenen Bausteine betrachtet – teils wohl platzierter, teils zufällig angeordneter –, dann wird klar, dass eine Handlung in der Gegenwart ein Reflex auf die komplette Saat der Vergangenheit ist.
Machen wir uns also bewusst, und vergessen es nie, dass wir unser Tun nur im Voraus beeinflussen und steuern können, indem wir so etwas wie einen Automatismus für den Fall der Fälle einüben, oder einen Graben in die harte Erde kratzen, in den ein zukünftiger Ball fallen und in eine gewünschte Richtung rollen soll.
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Das einzige Motiv jeglichen menschlichen Tuns -das Einzige!-, und zwar in jeder Sekunde unseres Daseins ist das Streben nach dem größtmöglichen Wohlgefühl im Augenblick; alle Bewegungen und alle Entscheidungen, seien sie nun bewusst oder unbewusst, lassen sich ausnahmslos darauf zurückführen.
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Die eine große, wahre, wirkliche Liebe unseres Lebens zeichnet sich zuvörderst dadurch aus, dass sie in allen bedeutsamen Herzensangelegenheiten, wie zum Beispiel Vertraut- und Geborgenheit, Zartgefühl und Nähe, nie wieder zu erreichende Maßstäbe setzt und gleichzeitig ein Gefühl der Zugehörigkeit gebiert, welches im Falle des Verlustes derselben eine stete Empfindung von Heimatlosigkeit, Wehmut und latenter Melancholie hinterlässt.
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Ob man einen Menschen mag oder nicht, ist in sehr starkem Maße davon abhängig, unter welchen Umständen man diesen Menschen kennen lernt. Charakter und Einstellung sind oftmals völlig sekundär.
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Rückblickend betrachtet erscheint einem das Leben in der Regel deshalb so glücklich, weil man lediglich in der Lage ist, sich an die faktischen Geschehnisse zu erinnern, nicht aber, die Gefühle nachzuempfinden, die durch diese Geschehnisse hervorgerufen wurden. Demnach werden die Gefühle stets aus der gegenwärtigen Situation in die Erinnerungen hineinprojiziert und erzeugen so, infolge von Verdrängen und Vergessen, den Eindruck vom scheinbaren Glück der Vergangenheit.
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Eine bewusste Entscheidung für oder gegen eine ganz bestimmte Sache gibt immer verlässlich Aufschluss über die Bedeutsamkeit der Sache im Augenblick der Entscheidung.
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Die Erbärmlichkeit der Menschheit und die Resignation der wirklich Vernünftigen sind jeweils die Folge voneinander.
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Das Leben, das wir führen, ist immer nur eine von vielen denkbaren Unwahrscheinlichkeiten, aber trotzdem eine zwangsläufige Notwendigkeit.
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Vergebung hat weder etwas mit Großmut noch mit liebevoller Nachsicht zu tun; sie ist schlicht und einfach ein besonders gnädiges Produkt des Vergessens.
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Die Inkonsequenz ist des Menschen ureigenste Unauffälligkeit.
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Der kleinste gemeinsame Nenner für das Wort Liebe: Überwindung der Gleichgültigkeit.
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Weder die grenzelose Unvernunft noch die abscheuliche Grausamkeit lässt uns den Wahnsinn der Menschheit in vollem Umfang ermessen; erst die ungeheuerliche Diskrepanz zwischen den Errungenschaften auf der einen und den Missständen auf der anderen Seite vermittelt uns einen Eindruck vom jämmerlichen Zustand dieser Spezies.
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Das eigene Schicksal liegt stets im Mittelpunkt des Weltgeschehens; niemand kann sich dieser Tatsache entziehen.
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Die aufrichtigsten Tränen sind diejenigen, die man alleine weint, von denen niemand etwas weiß, die ungehört zu Boden fallen.
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Mit der Ernsthaftigkeit beginnt die Verachtung.
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Einen Menschen zu lieben heißt immer, dass man diesem Menschen etwas von sich gibt, freiwillig gibt, und gleichermaßen schließt es für den anderen immer die Freiheit ein, das Angebotene annehmen zu können, oder nur einen Teil davon, oder auch gar nichts.
Niemals aber darf Liebe bedeuten, dass man mehr geben muss als man bereit ist zu geben, oder mehr zu fordern als einem angeboten wird.
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Die Bedeutsamkeit, die wir ganz bestimmten Sachen beimessen, schwindet mit deren zunehmender Verfügbarkeit.
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Vergangenes Glück erfüllt uns mit Wehmut, verlorenes mit Schmerz und nicht gefundenes mit Sehnsucht.
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Ein Leben in konsequenter, fortdauernder Ernsthaftigkeit ist allein schon deshalb nicht führbar, weil der Wahnsinn der Menschheit mit all seinen unvorstellbar schrecklichen Auswüchsen das Maß des Erträglichen um ein Vielfaches übersteigt.
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Das Gefühl, das niemals von sich selbst, sondern ausschließlich vom Verstand kontrolliert werden kann, siegt spätestens dann über jenen, wenn es, einem Pferde ähnlich, mit aller Kraft in die entgegengesetzte Richtung wie dieser rennt, das Zaumzeug zerreißt und seinen machtlosen Reiter mit sich schleppt.
Mit anderen Worten: Das Gefühl ist die Kraft im Menschen, die im Kampf gegen den Verstand bestenfalls die kleinen Gefechte verliert, jedoch die großen Schlachten für sich entscheidet.
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Je glücklicher der Augenblick, desto kürzer die Zeit.
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Der eigene Tod ist nicht nur unvorstellbar, er ist, aufgrund der fehlenden Möglichkeit der Wahrnehmung, schlicht und einfach unmöglich.
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Ein logisch begründeter, verstandesmäßiger Beweis für die Existenz eines Gottes ist deshalb unmöglich, weil die Absolutheit, die einen Beweis auszeichnet, genau die Eigenschaft ist, die durch die Existenz des Gottes widerlegt würde.
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Bewusst zu handeln, also zu wissen, was du machst, und vor allem, warum du etwas machst, heißt deiner Existenz Leben einzuhauchen.
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Die Umsetzung der eigenen Überzeugung, also den Dingen zu folgen, die man selbst für richtig und notwendig erachtet – völlig unabhängig vom objektiven Wert dieser Dinge, den Erwartungen anderer und den gesellschaftlichen Konventionen –, ist das einzige, das wirklich zählt im Leben, denn der Selbstwert eines Menschen wächst in dem Maße, indem er seinem subjektiven Weltbild gemäß handelt.
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Freundlichkeit und höfliches Benehmen, also Oberflächlichkeiten, können niemals verlässlich Aufschluss über den Charakter eines Menschen geben; erst Schwierigkeiten und Zeiten ernsthafter Konfrontation sind in der Lage, die Maske herunterzureißen und das Monster zu entlarven – oder wahre Größe.
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Wer den Weg und das Ziel in Mittel und Zweck teilt, der legt sein Glück in die zittrigen Hände des Schicksals, wer hingegen den Weg selbst als Ziel betrachtet, der nimmt dem Schicksal alle Macht und macht das Schicksal sich zum Glück.
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Große Gedanken werden durch entsprechende Worte nicht nur zum Ausdruck gebracht – die Sprache erst lässt sie entstehen.
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Die objektive Folgerichtigkeit der elementarsten philosophischen Grunderkenntnis – jegliches Dasein, jegliche Äußerung des Daseins, unterliegt restlos der Vergänglichkeit; was nichts anderes bedeutet als: ich werde vergehen und nichts von mir wird Bestand haben – ist nicht Handeln, sondern Untätigkeit. Konsequent wäre der rein denkende, begreifende Mensch nur in Erstarrung und Verachtung.
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Der Reiz einer Verführung wird nur noch von Verachtung ebendieser übertroffen.
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Verlorenes Glück ist ungleich schmerzlicher als nie gefundenes.
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Selbst das stärkste Argument kann ein schlechtes Gewissen mitunter nicht erleichtern, denn moralische Normen werden vom Gefühl und nicht vom Verstand geschrieben.
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Da jedes Urteil, jede Meinung, jede Behauptung, ja jede einzelne Aussage ein Produkt der individuellen, wenn auch begrenzten Intelligenz ist, muss man, sofern man den Anspruch hat, ernstgenommen zu werden und die eigenen Worte nicht selbst entwerten will, die Intelligenz an sich als verbindliche und einzig gültige Instanz anerkennen.
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Viele Genies stellen ihr Licht deshalb unter den Scheffel, weil ihre Fähigkeit zur realistischen Selbsteinschätzung von weniger begabten Menschen fälschlicherweise für Arroganz und Einbildung gehalten würde.
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Wer sich den Tod als himmlische Fortsetzung seines Lebens vorstellt, der verkennt folgenden Widerspruch: entweder bleiben die individuellen Merkmale eines Menschen und somit natürlich auch Dinge wie Hass, Unvernunft und Intoleranz bestehen – vom himmlisch demnach keine Spur – oder sie hören vollständig auf zu existieren – also keine Fortsetzung.
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Jegliche Gedanken und Absichten sind so lange nutzlos, solange sie wirr und ungeordnet durch den Kopf schwirren; erst wohldurchdacht und gut geplant, erst präzise gesetzt und konsequent verwirklicht, haben sie die Möglichkeit, Früchte zu tragen und Bedeutung zu erlangen.
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Nationalstolz ist die dümmste und Patriotismus die gefährlichste Form faschistoider Tendenzen.
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Leistung ist ebenso wenig ein Garant für Erfolg, wie Erfolg kein geeigneter Maßstab für Leistung ist.
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Da Äußerlichkeiten unmittelbar auf den Sehsinn einwirken und so einen unbestreitbaren Einfluss auf das menschliche Empfinden ausüben, sollte man sich umso deutlicher vor Augen führen, dass zermanschte Kartoffeln mit Blumenkohl zwar schrecklich ausschauen, aber einfach köstlich schmecken.
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Wer glaubt, sein Leben bis ins Detail planen zu können, den wird das Schicksal am Kragen packen, zu Boden schleudern und mit sich schleifen.
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Es ist schon bezeichnend für die Strukturen der Menschheit, dass der katastrophale Zustand dieses Planeten nicht etwa die Folge von mangelnder, sondern von ausreichender Nachdenklichkeit ist, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass die entscheidenden Machtpositionen von zum Teil durchaus intelligenten Leuten besetzt sind.
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Für die Güte eines Staates ist nicht die Menge seiner Errungenschaften, sondern die Anzahl seiner Missstände maßgebend.
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Eine für richtig befundene und mit festem Entschluss getroffene Entscheidung ist über jede nachträgliche Beurteilung erhaben; was nicht mehr in unseren Händen liegt, das lässt sich auch nicht formen.
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Wenn man annimmt, dass mit zunehmender Krankheit und dem daraus resultierenden Schmerz die Entfernung zum Tod geringer wird, dann kann man schlussfolgern, dass der Tod bzw. das Sterben nicht bloß das Endprodukt, sondern die schrecklichste und schmerzlichste Form einer Krankheit ist.
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Liebe kommt nicht und geht – Liebe bleibt und besteht.
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Der Weg in den Himmel führt immer durch die Hölle.
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Genauso wie die Mathematik, so hat auch das Leben Formeln und Gesetzmäßigkeiten von immerwährender Gültigkeit, unverrückbar, unumstößlich und ausnahmslos verbindlich. >Jeder< heißt dann auch: jeder! Und >fremd< heißt: fremd!
Was wir im Theoretischen nur allzu leichthin bejahen, was wir im Weitläufigen, Flüchtigen und Oberflächlichen kopfnickend bestätigt finden und schulterzuckend als gegeben akzeptieren, genau dieses besetzen wir umso stärker mit Zweifeln, je näher es an unser engstes Umfeld heranrückt und das umschließt, was uns wert ist und uns so unendlich vertraut scheint, was wir lieben oder worauf wir gar unser Leben gründen.
Die lange Leine des zwischenmenschlichen Kontaktes besteht aus kaum mehr denn Notwendigkeiten, ähnlichen Interessen oder einen unbestimmten Gefühl der Sympathie; die kurze womöglich aus Intimität, aufrichtiger Zuneigung, Leidenschaft, gemeinsam verbrachter Zeit und intensiven Gesprächen. Woraus auch immer es geknüpft sein mag, dieses schmale Band zwischen A und B, es kann so schnell reißen, oder sich verheddern, oder der Hand entgleiten. Und dann ist das Gejammer groß, und entsetzt muss man feststellen, dass es wahr ist, in all seiner Bitterkeit, dass man es bloß nicht verinnerlichen mochte, dass man mit diesem nie gerechnet und jenes nimmer gedacht hätte.
Jeder Mensch hat drei Gesichter. Wir bleiben was wir sind: Fremde unter Fremden.
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Sie haben bis hierhin durchgehalten. Respekt! Vielleicht sollte ich Ihnen mal meinen (noch immer unveröffentlichten) Roman zukommen lassen …
Und nun aber Schluss!